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Bevor man mit der
Kaninchenzucht beginnt, sollte man sich über eins klar sein, wie viel
Platz habe ich, wie groß baue ich den Stall, (eine mindest Anzahl von Buchten
sollte man gerne haben ),
wie sieht es futtermäßig aus, wohin mit dem Mist,
welche Rasse möchte ich züchten, und das wichtigste, was verträgt mein
Geldbeutel. Wenn man die genannten Fragen mit sich geklärt hat, kann es
beginnen. Eines sei noch gesagt, ein Züchter oder der es werden möchte, darf
bei Niederlagen oder Fehlschlägen nicht gleich die Flinte ins Korn werfen!
Zuerst wird der passende Stall
für die gewünschte Kaninchenrasse erbaut. Dann wird Futter besorgt und nun
versucht man von einem Züchter Zuchttiere zu bekommen. Am besten ist es, wenn
man mit 1,2 anfängt. Das heißt 1,0 = männlich ( Rammler ) 0,1 = weiblich (
Häsin ).
Jeder Tierhalter oder Züchter
muss sich der hohen Verantwortung und das Wohl der ihm anvertrauten Schützlinge
" lebenden Tiere" bewusst sein. Lebende Kaninchen sind kein Spielzeug
für Kinder!
Eine Überbesetzung im Stall
sollte tunlichst vermieden werden, denn dann ist die Gefahr für eine Krankheit
oder der Ausbruch einer solchen vorprogrammiert.
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Irgendwann reift in jedem
Kaninchenzüchter der Wunsch, einmal einen Wurf Jungtiere zu züchten.
Voraussetzung für einen geplanten Wurf ist zunächst einmal die
Zuchttauglichkeit der Häsin, die von Rasse zu Rasse geringfügige
Abweichungen in den Zuchtbestimmungen aufweisen kann. Das gleiche gilt
natürlich auch für den auszusuchenden Rammler. Darüber hinaus sollten bei
dem künftigen Kaninchenzüchter Kenntnisse über die Kaninchenzucht
allgemein, über Vererbung und Zuchtmethoden vorhanden sein. Ist dies nicht
gegeben, sollte zumindest im Bekanntenkreis Rat zu holen sein.
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Leider wird häufig die
Häsin, weil man anreisen zu passenden Rammlern scheut, demnächst
erreichbaren Rammlern der Rasse zugeführt. Zweifellos ein bequemer und
einfacher Weg, um Kaninchen zu vermehren. Eine andere Möglichkeit besteht
darin, sich für eine auf Ausstellungen hoch bewertete Häsin einen ebenso
prämierten Rammler auszusuchen und voller Erwartung sieht der Züchter den
künftigen Siegertieren entgegen. Wer sich nur auf dieses Quäntchen Glück
verlässt, das aber nicht ausreicht, wenn man wertvolles Erbgut nicht nur
erhalten, sondern es zu verbessern trachtet, kann trotz der hoch bewerteten
Elterntiere angesichts der Nachkommen eine bittere Enttäuschung erleben.
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Was auf
Ausstellungen prämiert wird, ist der Phänotyp. Hier wird das äußere
Erscheinungsbild umrissen, das durch die Wirkung von Erb - und Umweltfaktoren
geprägt wird. Genotypus hingegen ist die Bezeichnung für die Gesamtheit der
Gene eines Organismus (= Erbmasse, Erbgut und genetische Konstitution). Hier
wird einer der Gründe deutlich, warum auf Ausstellungen erworbene
Auszeichnungen, die ja nur nach dem Erscheinungsbild des einzelnen Tieres
vergeben werden können, nicht gleichbedeutend mit guten Zuchterfolgen sein
müssen. Vererbt wird nur der Genotyp, der Phänotyp ist Ausdruck des
Zusammenwirkens von Genotyp und Umwelt. Die Umwelteinflüsse sind nicht zu
unterschätzende Faktoren im Zuchtgeschehen. So können zwei Organismen vom
gleichen Erbgut unter verschiedenen Umweltbedingungen zu völlig verschiedenen
Erscheinungsbildern gelangen. Andererseits lässt das gleiche Erscheinungsbild
zweier Individuen nicht den Schluss auf identische Erbmasse zu.
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In die
deutschen Gebiete kam das gezähmte Kaninchen aus Frankreich und Belgien. Das
Hauskaninchen breitete sich in Deutschland nur langsam aus. Die Deutschen
erkannten erst 1870 den großen Nutzwert des Kaninchens. Die erste Ausstellung
soll, wie Braun berichtet, 1874 in Bremen stattgefunden haben. Der Aufschwung
der Kaninchenzucht in Deutschland hatte auch zur Folge, das kleine
Fachzeitschriften gegründet wurden.
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Alle
vorbereitete Zuchtarbeit ist umsonst, wenn es nicht gelingt, im
anstehenden Zuchtjahr die für die Weiterzucht vorgesehenen Tiere auch
rechtzeitig, nach dem im Winter in der Zuchtpause vorgesehenem Plan, zur
Fortpflanzung zu bringen. Fehler in der Haltung der Tiere können sich
recht schwerwiegend auswirken, weil sie in der Regel alle Zuchttiere
treffen und so jeden Zeitplan umwerfen können. In der Zuchtruhe, also
in der zeit, in der die Tiere außer ihrer Erhaltung keine zusätzliche
Leistung zu vollbringen haben, darf auch nur Erhaltungsfutter gereicht
werden. Dieses soll vollwertig und ausreichend sein, darf aber nicht mehr
und auch nicht höherwertiger sein, als es für die Erhaltung
notwendig ist. Jedes Mehr verteuert die Haltung und dient nicht der
Gesundhaltung der Zuchttiere. Verfettete Zuchttiere machen eine
erfolgreiche Weiterzucht unmöglich. Die Erzeugung von Fett, wenn
überhaupt gewünscht, muss auf dem billigsten Wege erfolgen.
Im Winter sollte einmal
überlegt werden, wie bessere Lichtverhältnisse in den meist zu dunklen
Ställen herbeigeführt werden können. Es ist von Vorteil, die kurzen
Wintertage durch ausreichende Beleuchtung zu verlängern. Der Tag ist bis
zu 14 stunden auszudehnen. Zuviel Dunkelheit und damit bedingte Zwangsruhe
ist den Zuchttieren nicht förderlich.
Kurze Zeit vor dem
beginn der Zucht sollten die vorgesehenen Zuchttiere einer
Vorbereitung unterzogen werden. Bei wenig gehaltvollem Erhaltungsfutter
sollten spätestens jetzt Futterzusätze eine bessere
Futterzusammensetzung gewährleisten.. Auch hier ist zu überlegen, ob
nicht ein Vitaminstoss angebracht ist, der noch bei der Nachzucht wirksam
sein kann.
Rechtzeitig vor Beginn
der Zucht sind alle Kaninchen grünlich zu untersuchen. Wird etwas
unerwünschtes gefunden, dann kann vielleicht noch rechtzeitig für
Abhilfe gesorgt oder der vorgesehne Plan umgestellt werden.
Quelle:
Fortpflanzung, Vererbung und Zuchtverfahren in der Kaninchenzucht von Karl
Weißenberger
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Als Folge unterschiedlicher
Umwelteinflüsse (Ernährung, Klima usw.) resultiert die nicht vererbbare
Abweichung von der normalen Körperform (zum Beispiel Größe), die so
genannte
Modifikation. Modifikationen sind also von außen her einwirkend entstanden,
sie können auch Eigenschaftsveränderungen bewirken.
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Die Vererbung ist ein
komplexer Vorgang, dass das ein Laie kaum zu erfassen vermag. Um Kaninchen zu
züchten muss man nicht gerade Genetiker sein, aber ohne jegliche
Vorkenntnisse sollte man sich nicht in das Abenteuer der Zucht stürzen.
Wenigstens die wichtigsten Vererbungsregeln sollte man kennen, um sie
erfolgreich anwenden zu können. der Züchter kann sich einiger Zuchtmethoden
bedienen, die sowohl positive, als auch negative Erbmerkmale rasch ans Licht
bringen. Durch die Linienzucht werden wünschenswerte Eigenschaften eines
Stammes durch die Paarung verwandter Partner gefestigt und Fehler durch
Paarung mit Partnern, deren Blutlinie von diesen Fehlern frei zu sein scheint,
ausgemerzt.
Dafür sind auch die
Fehlerquellen geringer, zumal sich die Verdoppelung der zumeist rezessiv
vorhandenen Fehler sofort bemerkbar macht. Die Verdoppelung der Gene für
Vorzüge hingegen tritt erst in der nächsten Generation zutage. Betreibe mit
dem besten Tier konsequente Linienzucht, bis ein besseres vorhanden ist, dann
erst züchte in der Linienzucht mit diesem weiter. Das erbgut eines
hervorragenden Elterntieres kann nur mit Hilfe der Inzucht erhalten werden.
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Erbmäßig
reine Linien lassen sich dennoch nur durch die Methode fortgesetzter Inzucht
erreichen. Bei der Inzucht (Verwandtschaftszucht) kommen Tiere zur Paarung,
sie innerhalb der letzten Generationen gemeinsame Vorfahren haben. es wird dem
Verwandtschaftsgrad nach unterschieden zwischen leichter, enger und engster
Inzucht. Letztere entspricht der Paarung von Vollgeschwistern oder
Elterntieren mit direktem Nachkommen. Bei sorgfältiger Auswahl der Partner
lässt sich jede Körperliche und psychische Eigenschaft in einer Linie
Festhalten. Das oberste Gebot bei der Anwendung der Inzucht als Zuchtmethode
ist das Züchten mit fehlerlosen, gesunden und dem Standard in höchstem Maße
entsprechenden Tieren. Nur Tiere, welche in ihrer Erbmasse keine Sichtbaren
oder Nachteiligen Erbanlagen aufweisen, darf man dazu verwenden. Der Züchter
muss wissen, dass durch Inzucht nichts Neues in seine Zucht hinein Kommt. Sie
kann nur das hervorbringen, was in der Erbmasse der Partner schon vorhanden
ist. Bei Anwendung der Inzucht werden schon in der ersten, mit Sicherheit aber
in der zweiten Generation sämtliche fehlerhaften Erbmerkmale aufgedeckt.
Strengste Selektion der zur Weiterzucht zu verwendenden Tiere ist
unerlässlich. Die Zuchtlinie
lässt sich auf diese Weise in relativ kurzer Zeit festigen, wenn die Auswahl
der Zuchttiere jedoch nicht ganz gezielt erfolgt und keine strenge Selektion
der Nachzucht stattfindet, kann sie schlimmste Auswirkungen haben. Deshalb und
weil in der Vergangenheit sehr stark gepflegt, wenden sich einige Züchter und
ganze Vereine von der Inzucht als Zuchtmethode eher ab.
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Unter
Fremdzucht versteht man die Paarung nicht verwandter Tiere. Hier fällt das
Zuchtergebnis sehr unterschiedlich und vielfältig aus. Es ist durchaus
möglich, über die Fremdzucht einen guten Wurf zu erreichen. Diese
Zuchtmethode entspricht aber mehr oder weniger einem Lottospiel, wobei mehr
der Zufall "Glück" seine Hand im Spiel hat. Zu raten ist zur
konsequenten Linienzucht und Erhaltung des Erbgutes eines hervorragenden
Tieres mit Hilfe der Inzucht, was ein Verantwortungsbewusstsein des Züchters
generell zur Schaffung neuen Lebens und sie Bereitschaft zur notwendigen
Selektion voraussetzt. diese Erkenntnisse entstammen nicht nur der
Kaninchenzucht. Man kennt sie schon lange auch bei anderen Tierzuchtgebieten,
sei es nun in der Pferde-, Rinder - oder auch in der Schweinezucht, wenngleich
natürlich in der Nutzviehzucht die Zuchtauswahl nach anderen und deutlich
strengeren Kriterien stattfindet.
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| Quellenhinweise aus: |
| DKZ verschiedenster Ausgaben. |
| Dr. Dorn, Der Weg zum Erfolg in der
Rassekaninchenzucht. |
| Zeitschrift: Hunde Revue. |
| H.
Niehaus, Unsere Kaninchenrassen,
Band 1. |
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Unter den Züchtern ist die
Ansicht weit verbreitet, Fehler seien durch entgegengesetzte
auszugleichen. Das stimmt bei der polyfaktoriellen Vererbung,
sonst nicht. Es kommt auf das Merkmal an. Schulbeispiel ist die
Paarung eines Tieres mit einer nach links gerichteten mit einem
anderen, das eine nach rechts gerichtete Blume besitzt, in der
Erwartung: Links x Rechts = Gerade. Der Versuch wird
fehlschlagen. Vielleicht haben die Tiere in der F1
- Generation eine gerade Blume. Durch den
erhofften Ausgleich zweier entgegengesetzter Merkmale hat man
den einen Fehler nicht nur beseitigt, sondern einen neuen und
Spalterbigkeit hinzubekommen.
Unter den Züchtern ist
die Ansicht weit verbreitet, Fehler seien durch entgegengesetzte
auszugleichen. Das stimmt bei der polyfaktoriellen Vererbung,
sonst nicht. Es kommt auf das Merkmal an. Schulbeispiel ist die
Paarung eines Tieres mit einer nach links gerichteten mit einem
anderen, das eine nach rechts gerichtete Blume besitzt, in der
Erwartung: Links x Rechts = Gerade. Der Versuch wird
fehlschlagen. Vielleicht haben die Tiere in der F1
- Generation eine gerade Blume. Durch den
erhofften Ausgleich zweier entgegengesetzter Merkmale hat man
den einen Fehler nicht nur beseitigt, sondern einen neuen und
Spalterbigkeit hinzubekommen.
Quelle:
Das Deutsche Widder-Kaninchen Verlagshaus Reutlingen Oertel
& Spörer
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